Auf Zinsen, Dividenden und Kursgewinne fällt in Deutschland die Abgeltungsteuer an. Wer weiß, wie sie funktioniert, kann den Sparerpauschbetrag optimal nutzen und seine Nettorendite richtig einschätzen. Diese Anleitung erklärt die Grundlagen. Sie ist ausdrücklich keine Steuerberatung – im Zweifel hilft ein Steuerberater.
Schritt 1: Steuerpflichtige Kapitalerträge sammeln
Erfasse alle Kapitalerträge eines Jahres: Zinsen aus Tages- und Festgeld, Dividenden sowie realisierte Kursgewinne aus dem Verkauf von Wertpapieren. Die Dividenden- und Kursanteile ermittelst du mit dem Dividendenrendite-Rechner und dem Kursgewinn-Rechner.
Schritt 2: Sparerpauschbetrag abziehen
Jeder Anleger hat einen jährlichen Sparerpauschbetrag, bis zu dem Kapitalerträge steuerfrei bleiben (für Ledige 1.000 Euro, für Verheiratete 2.000 Euro, Stand der letzten Jahre – prüfe den aktuellen Wert). Erst der Betrag oberhalb dieses Freibetrags ist steuerpflichtig.
Schritt 3: Steuersatz und Zuschläge bestimmen
Die Abgeltungsteuer beträgt 25 % auf den steuerpflichtigen Teil. Hinzu kommen der Solidaritätszuschlag (5,5 % der Steuer) und gegebenenfalls Kirchensteuer (je nach Bundesland 8 % oder 9 % der Steuer). Dadurch liegt die effektive Belastung etwas über 25 %.
Schritt 4: Abgeltungsteuer berechnen
Wende den Steuersatz auf die Erträge oberhalb des Pauschbetrags an und addiere Soli und Kirchensteuer. Bei einer Bank in Deutschland wird das in der Regel automatisch einbehalten und abgeführt. Den fälligen Betrag schätzt du vorab mit dem Abgeltungsteuer-Rechner, die Nettorendite mit dem Aktienrendite-p.a.-Rechner.
Schritt 5: Freistellungsauftrag und Steuererklärung prüfen
Erteile deiner Bank einen Freistellungsauftrag, damit Erträge bis zum Pauschbetrag steuerfrei bleiben und nicht erst über die Steuererklärung zurückgeholt werden müssen. Bei mehreren Banken kannst du den Pauschbetrag aufteilen. In manchen Fällen lohnt die Angabe in der Steuererklärung (etwa Günstigerprüfung) – das ist keine Steuerberatung.
Tipps
- Verteile deinen Sparerpauschbetrag mit Freistellungsaufträgen passend auf deine Banken.
- Ausländische Depots führen die Steuer oft nicht automatisch ab – dann musst du die Erträge selbst angeben.
- Verluste aus Wertpapieren können mit Gewinnen verrechnet werden; die genauen Regeln sind komplex.
Häufige Fragen
Wie hoch ist die Abgeltungsteuer? 25 % zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer auf den Teil der Erträge oberhalb des Sparerpauschbetrags.
Was ist der Sparerpauschbetrag? Ein jährlicher Freibetrag für Kapitalerträge (zuletzt 1.000 Euro für Ledige, 2.000 Euro zusammen veranlagt). Prüfe den aktuellen Wert.
Muss ich Kapitalerträge in der Steuererklärung angeben? Bei inländischen Banken meist nicht, weil die Steuer automatisch abgeführt wird. In bestimmten Fällen kann eine Angabe sinnvoll oder nötig sein.