Wer auf seine Stromrechnung schaut, sieht meist nur den Endpreis pro Kilowattstunde. Doch dieser Preis besteht aus vielen einzelnen Bausteinen. Wer sie kennt, versteht, warum Strom in Deutschland vergleichsweise teuer ist und an welchen Stellen sich Sparen lohnt.
Die drei großen Blöcke
Der Strompreis teilt sich grob in drei Bereiche auf: Beschaffung und Vertrieb, Netzentgelte sowie Steuern und Abgaben. Jeder dieser Blöcke macht ungefähr ein Drittel des Gesamtpreises aus, wobei die genaue Verteilung je nach Anbieter, Region und Jahr schwankt.
Beschaffung und Vertrieb ist der Teil, den der Stromanbieter selbst beeinflussen kann. Dazu zählen der Einkauf des Stroms an der Börse oder bei Erzeugern sowie die Kosten für Marketing, Kundenservice und Abrechnung. In diesem Block liegt der größte Spielraum für Preisunterschiede zwischen den Anbietern.
Netzentgelte bezahlst du für die Nutzung der Stromleitungen. Sie werden von den Netzbetreibern erhoben und sind regional unterschiedlich. In ländlichen Gebieten mit weiten Leitungswegen und vielen Windkraftanlagen sind die Netzentgelte oft höher als in dicht besiedelten Städten.
Steuern und Abgaben
Der staatliche Anteil setzt sich aus mehreren Posten zusammen:
- Stromsteuer: eine bundesweit einheitliche Verbrauchsteuer pro Kilowattstunde.
- Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer): wird auf den gesamten Strompreis aufgeschlagen.
- Konzessionsabgabe: zahlen Versorger an Kommunen für die Nutzung öffentlicher Wege.
- Weitere Umlagen: etwa für Kraft-Wärme-Kopplung oder besondere Netznutzung.
Die früher prägende EEG-Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien wurde abgeschafft und wird heute anders finanziert. Welche Posten in welcher Höhe gelten, ändert sich politisch immer wieder – die konkreten Werte solltest du auf deiner aktuellen Rechnung oder beim Anbieter nachsehen.
Arbeitspreis und Grundpreis
Auf deiner Rechnung tauchen zwei zentrale Begriffe auf. Der Arbeitspreis ist der Betrag pro verbrauchter Kilowattstunde (kWh). Der Grundpreis (oder Grundgebühr) ist ein fixer Jahresbetrag, der unabhängig vom Verbrauch anfällt – er deckt etwa Zählermiete und Abrechnung.
Für die Gesamtkosten gilt vereinfacht: Jahresverbrauch mal Arbeitspreis plus Grundpreis. Mit dem Stromkosten-Rechner kannst du beide Werte eingeben und deine voraussichtlichen Jahres- und Monatskosten ermitteln. Möchtest du nur wissen, was eine einzelne Kilowattstunde kostet, hilft der kWh-Kosten-Rechner.
Warum sich Vergleichen lohnt
Weil Netzentgelte, Steuern und Abgaben weitgehend feststehen, unterscheiden sich Anbieter vor allem bei Beschaffung und Vertrieb sowie beim Grundpreis. Genau hier setzt ein Tarifwechsel an. Schon ein Wechsel aus der oft teureren Grundversorgung in einen günstigeren Tarif kann mehrere hundert Euro im Jahr ausmachen. Ob sich das für dich rechnet, zeigt der Energie-Tarifvergleich-Rechner.
Ein zweiter Hebel ist der Verbrauch selbst: Wer weniger Strom braucht, zahlt weniger Arbeitspreis – der fixe Grundpreis bleibt aber bestehen. Deshalb senken Effizienzmaßnahmen die Rechnung nicht im gleichen Verhältnis wie der gesparte Verbrauch.
Praktische Hinweise
Vergleiche Tarife immer auf Basis deines tatsächlichen Jahresverbrauchs, nicht nur über den Arbeitspreis. Ein niedriger Arbeitspreis mit hohem Grundpreis kann bei wenig Verbrauch teurer sein als umgekehrt. Achte außerdem auf Vertragslaufzeiten, Preisgarantien und Boni, die häufig nur im ersten Jahr gelten.
Häufige Fragen
Welcher Anteil des Strompreises geht an den Staat? Steuern und Abgaben machen grob etwa ein Viertel bis ein Drittel des Strompreises aus. Der genaue Anteil schwankt je nach Jahr und politischen Entscheidungen.
Warum ist Strom in manchen Regionen teurer? Vor allem wegen unterschiedlicher Netzentgelte. Sie hängen vom Netzbetreiber und den örtlichen Gegebenheiten ab und können sich deutlich unterscheiden.
Kann ich am Strompreis überhaupt etwas sparen? Ja. Steuern und Netzentgelte sind fix, aber den Beschaffungs- und Vertriebsanteil sowie den Grundpreis beeinflusst du über die Anbieterwahl. Ein Tarifvergleich ist der einfachste erste Schritt.