„Warum ist von meinen 3.000 € am Ende nur rund 2.000 € übrig?” Diese Frage stellen sich viele beim ersten Blick auf die Gehaltsabrechnung. Der Unterschied zwischen Brutto und Netto ist eines der wichtigsten Themen im Berufsleben – und gar nicht so kompliziert, wenn man die einzelnen Posten kennt.
Brutto und Netto: der Grundbegriff
Das Bruttogehalt ist der Betrag, der im Arbeitsvertrag steht. Davon ziehen Arbeitgeber und Finanzamt Steuern und Sozialabgaben ab. Was nach diesen Abzügen auf dem Konto landet, ist das Nettogehalt – das Geld, das dir tatsächlich zur Verfügung steht.
Welche Abzüge gibt es?
Die Abzüge lassen sich in zwei große Gruppen einteilen: Steuern und Sozialversicherungsbeiträge.
Zu den Steuern gehören:
- die Lohnsteuer (eine Vorauszahlung auf die Einkommensteuer)
- der Solidaritätszuschlag, der für die meisten Arbeitnehmer entfallen ist
- gegebenenfalls die Kirchensteuer, wenn du Mitglied einer steuererhebenden Religionsgemeinschaft bist
Zu den Sozialabgaben zählen die Beiträge zur Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung. Diese werden in der Regel etwa zur Hälfte vom Arbeitgeber getragen, der andere Teil wird dir vom Bruttolohn abgezogen.
Die Rolle der Steuerklasse
Wie viel Lohnsteuer abgeht, hängt stark von deiner Steuerklasse ab. Es gibt sechs Klassen, die unter anderem den Familienstand abbilden. Ledige fallen meist in Klasse I, Verheiratete können zwischen Kombinationen wie III/V oder IV/IV wählen. Die Steuerklasse beeinflusst nur die monatliche Vorauszahlung – die endgültige Steuerlast ergibt sich erst aus der Steuererklärung. Wer zu viel gezahlt hat, bekommt Geld zurück.
Wie viel bleibt netto übrig?
Eine pauschale Antwort gibt es nicht, weil zu viele individuelle Faktoren hineinspielen: Steuerklasse, Kinderfreibeträge, Kirchenzugehörigkeit, Krankenkasse und Bundesland. Als grobe Orientierung bleiben bei mittleren Einkommen oft zwischen 60 und 70 Prozent des Bruttolohns übrig – das ist aber nur eine Schätzung. Mit dem Jahresgehalt-Rechner bekommst du ein Gefühl für die Größenordnung deines Jahreseinkommens, und der Netto-Stundenlohn-Rechner zeigt, was pro Arbeitsstunde übrig bleibt.
Brutto vergleichen, netto leben
Wer Jobangebote vergleicht, sollte nicht nur auf das Brutto schauen. Wohnort und Lebenshaltungskosten machen einen großen Unterschied: 3.500 € in einer teuren Großstadt fühlen sich anders an als in einer günstigen Region. Diesen Effekt veranschaulicht der Gehalt-Kaufkraft-Vergleich-Rechner, mit dem du Angebote über die reine Zahl hinaus einordnen kannst.
Häufige Fragen
Warum bleibt von meinem Brutto so wenig übrig? Vom Bruttolohn gehen Lohnsteuer, eventuell Soli und Kirchensteuer sowie die Sozialabgaben für Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung ab. Diese Posten summieren sich.
Kann ich meine Steuerklasse selbst wählen? Verheiratete können zwischen bestimmten Kombinationen wählen und damit die monatliche Auszahlung beeinflussen. Auf die tatsächliche Jahressteuerlast hat das aber kaum Einfluss – ausschlaggebend ist die Steuererklärung.
Ist ein höheres Brutto immer besser? Nicht unbedingt netto und schon gar nicht in der Kaufkraft. Höhere Einkommen werden stärker besteuert, und die Lebenshaltungskosten am Wohnort spielen eine große Rolle. Ein Vergleich lohnt sich.