Viele Heizungen laufen mit Werkseinstellungen, die mit Vorlauftemperaturen um 70–75 °C deutlich heißer fahren als nötig. Jedes Grad weniger Vorlauf spart grob 1–2 % Heizenergie (Schätzung). Mit ein paar Anpassungen an Regelung und Thermostaten sparst du, ohne dass es kälter wird. Du brauchst Zugang zur Heizungsregelung und Geduld zum Feinjustieren über mehrere Tage. Die genauen Menüs unterscheiden sich je nach Gerät; im Zweifel hilft der Fachbetrieb.
Schritt 1: Heizungsanlage und Regelung verstehen
Verschaffe dir einen Überblick: Gibt es einen Außenfühler (witterungsgeführte Regelung mit Heizkurve) oder läuft die Heizung auf feste Vorlauftemperatur? Welche Heizflächen hast du – klassische Heizkörper brauchen höhere Vorlauftemperaturen (typisch 55–70 °C), eine Fußbodenheizung kommt mit 30–40 °C aus (Schätzung). Fotografiere oder notiere alle aktuellen Werte (Vorlauf, Heizkurve, Steilheit, Zeitprogramm), bevor du etwas änderst.
Schritt 2: Vorlauftemperatur anpassen
Hat deine Anlage eine feste Vorlauftemperatur, senke sie in Schritten von 3–5 °C. Starte z. B. von 70 °C auf 65 °C und beobachte 2–3 Tage, ob alle Räume bei voll geöffnetem Thermostat noch warm werden. Wiederhole das, bis es an einem kalten Tag gerade noch reicht. Ziel bei Heizkörpern sind oft 50–60 °C, bei Fußbodenheizung 30–40 °C (Schätzung, abhängig von Dämmung und Heizflächengröße). Den Effekt auf die Kosten schätzt du mit dem Heizkosten-Rechner.
Schritt 3: Heizkurve einstellen
Bei witterungsgeführten Anlagen bestimmt die Heizkurve (oft “Steilheit” oder “Niveau” genannt), wie stark die Vorlauftemperatur bei Kälte steigt. Typische Ausgangswerte sind eine Steilheit um 1,2–1,4 für Heizkörper und 0,3–0,6 für Fußbodenheizung (Schätzung). Senke die Steilheit in 0,1er-Schritten. Wird es nur bei Frost zu kühl, erhöhe die Steilheit; ist es generell – auch in der Übergangszeit – zu kalt, hebe stattdessen das Niveau (Parallelverschiebung) um 1–3 °C an. Verstelle pro Durchgang nur einen Parameter und warte einen Kältetag ab.
Schritt 4: Nachtabsenkung programmieren
Programmiere im Zeitprofil eine Absenkphase, z. B. 22:00 bis 05:00 Uhr. Eine moderate Absenkung der Solltemperatur um 2–4 °C reicht meist (Schätzung). In gut gedämmten Neubauten bringt sie kaum etwas, weil das morgendliche Wiederaufheizen die Ersparnis wieder auffrisst – hier 1–2 °C oder ganz darauf verzichten. Schalte die Heizung nachts nicht komplett ab, sonst kühlen die Wände aus und das Hochheizen kostet mehr Energie als die Absenkung spart.
Schritt 5: Thermostate und Heizkörper optimieren
Stelle Thermostatventile auf eine feste Stufe statt zwischen voll auf und zu zu pendeln. Grobe Zuordnung: Stufe 3 entspricht etwa 20 °C, jede Stufe sind rund 3–4 °C, Stufe 2 also ca. 16 °C (Schätzung, je nach Hersteller). Entlüfte die Heizkörper, wenn sie gluckern oder oben kalt bleiben, und halte sie frei von Möbeln und Vorhängen. Ein hydraulischer Abgleich sorgt dafür, dass jeder Heizkörper die passende Wassermenge bekommt – ohne ihn werden raumnahe Heizkörper heiß, entfernte bleiben kalt.
Schritt 6: Verbrauch beobachten und nachjustieren
Lies den Zählerstand wöchentlich ab und vergleiche ihn mit dem Vorjahr (witterungsbereinigt, also bei ähnlichen Außentemperaturen). Bei Gas hilft der Gaskosten-Rechner, bei einer Ölheizung der Heizöl-Kosten-Rechner, um die Einsparung in Euro einzuordnen. Reichen die Räume nach mehreren Tagen zuverlässig aus, kannst du eine weitere kleine Senkung versuchen.
Tipps
- Ändere immer nur einen Parameter (Vorlauf, Steilheit oder Absenkung) und beobachte ihn über 2–3 Tage.
- Notiere die Ausgangswerte, damit du jede Einstellung rückgängig machen kannst.
- Teste die niedrigen Vorlauftemperaturen an einem richtig kalten Tag – nur dann zeigt sich, ob die Auslegung reicht.
- Ein hydraulischer Abgleich durch den Fachbetrieb steigert die Wirkung aller anderen Maßnahmen und wird teils gefördert.
Häufige Fragen
Wie niedrig darf die Vorlauftemperatur sein? So niedrig, dass am kältesten Tag alle Räume warm werden. Bei Heizkörpern liegt das oft bei 50–60 °C, bei Fußbodenheizung 30–40 °C (Schätzung). Den genauen Wert findest du durch schrittweises Absenken um 3–5 °C.
Lohnt sich eine Nachtabsenkung? In schlechter gedämmten Altbauten eher als in gut gedämmten Neubauten. Eine moderate Absenkung um 2–4 °C ist sinnvoller als komplettes Abschalten, weil das Wiederaufheizen sonst die Ersparnis übersteigt.
Was bringt ein hydraulischer Abgleich? Er verteilt das Heizwasser gleichmäßig auf alle Heizkörper, beseitigt kalte und überhitzte Räume und erlaubt eine niedrigere Vorlauftemperatur – das senkt den Verbrauch spürbar.