Du hast den Bachelor (fast) in der Tasche und willst einen Master draufsetzen. Das Problem: Jede Hochschule kocht ihr eigenes Süppchen bei Voraussetzungen und Fristen. Diese Anleitung bringt dich in sieben Schritten von der Recherche bis zur Einschreibung. Maßgeblich sind immer die Zulassungsordnung und die Angaben der jeweiligen Hochschule – die Zahlen hier sind grobe Orientierungswerte.
Schritt 1: Passende Masterprogramme recherchieren
Such auf Portalen wie Hochschulkompass.de oder studycheck.de nach Studiengängen in deinem Fachbereich. Unterscheide dabei zwei Typen:
- Konsekutiv: baut direkt auf deinem Bachelor auf (z. B. B.Sc. Informatik → M.Sc. Informatik). Meist kostenlos an staatlichen Unis.
- Weiterbildend: richtet sich an Leute mit Berufserfahrung, oft kostenpflichtig (häufig 5.000–20.000 € Gesamtgebühr, je nach Anbieter).
Leg dir eine Liste mit 4–6 Programmen an und sortiere nach realistisch (Note passt locker), Wunsch (Note grenzwertig) und Sicherheit. Verlass dich nie auf eine einzige Bewerbung.
Schritt 2: Zulassungsvoraussetzungen prüfen
Öffne für jedes Programm die Zulassungsordnung (PDF, meist auf der Studiengangsseite unter “Bewerbung” oder “Ordnungen”). Hak diese Punkte ab:
- Fachliche Nähe: Wie viele Credit Points (CP) in welchen Fächern dein Bachelor enthalten muss, z. B. “mindestens 60 CP Mathematik/Statistik”.
- Mindestnote: häufig im Bereich 2,5 oder besser (grobe Faustregel; manche NC-freien Master verlangen gar keine).
- CP-Stand bei Bewerbung: oft reichen 150 von 180 CP, wenn der Bachelor noch läuft.
- Sprachnachweis: bei deutschsprachigen Programmen für Nicht-Muttersprachler meist DSH-2 oder TestDaF; bei englischsprachigen oft TOEFL ~90 iBT oder IELTS 6,5.
Notiere pro Hochschule in einer Tabelle, was fehlt und wie lange du für die Beschaffung brauchst.
Schritt 3: Zulassungsnote berechnen
Steht deine Abschlussnote noch nicht final fest, schätz sie ab: Nimm deinen aktuellen Schnitt aus dem Notenkonto und rechne die voraussichtlichen Noten der offenen Module (gewichtet nach CP) ein. Der Master-Zulassungsnote-Rechner prüft, ob du über der geforderten Schwelle (z. B. 2,5) liegst. Deine voraussichtliche Bachelornote ermittelst du mit dem Bachelor-Gesamtnote-Rechner. Liegst du knapp drunter, schau in der Zulassungsordnung nach Härtefall- oder Eignungsgesprächsregelungen.
Schritt 4: Unterlagen zusammenstellen
Standard-Set für fast jede Bewerbung:
- Bachelorzeugnis oder vorläufige Notenübersicht (Transcript of Records)
- CP-Nachweis – deinen Stand und die ECTS-Note prüfst du mit dem ECTS-Noten-Rechner
- tabellarischer Lebenslauf
- ggf. Sprachzertifikat und Motivationsschreiben (siehe Schritt 5)
Achtung bei Beglaubigungen: Verlangt die Hochschule amtlich beglaubigte Kopien, geht das übers Bürgeramt – plane dafür ein paar Tage Vorlauf und ein kleines Gebührenbudget (oft wenige Euro pro Dokument) ein.
Schritt 5: Motivationsschreiben verfassen
Halte dich an eine DIN-A4-Seite (300–400 Wörter). Beantworte zwei Fragen konkret: Warum dieser Master? Warum du? Beziehe dich auf ein bis zwei Module oder Forschungsschwerpunkte aus dem Curriculum, die du namentlich nennst, und verknüpfe sie mit einem konkreten Projekt, Praktikum oder einer Bachelorarbeit von dir. Streiche jeden Satz, der für jeden anderen Bewerber auch gelten würde.
Schritt 6: Bewerbung fristgerecht einreichen
Die meisten Bewerbungen laufen online über das Hochschulportal oder uni-assist (für viele internationale und manche deutsche Bewerbungen). Typische Fristen: für das Wintersemester häufig 15. Juli, für das Sommersemester häufig 15. Januar – je nach Hochschule auch früher (teils schon Ende Mai bzw. Dezember). Plane 2–3 Wochen Puffer für Beglaubigungen, Sprachzertifikate und uni-assist-Vorprüfung ein und reiche lieber eine Woche vor Fristende ein, falls ein Dokument nachgefordert wird.
Schritt 7: Auf Rückmeldung reagieren
Zu- oder Absagen kommen meist 4–8 Wochen nach Fristende. Bei einer Zusage musst du den Platz oft innerhalb von 1–2 Wochen annehmen und dich einschreiben (Immatrikulation: Antrag, Semesterbeitrag zahlen, Unterlagen einreichen). Verpasst du diese Annahmefrist, geht der Platz an die Nachrückliste. Prüfe dein angegebenes Postfach und das Bewerbungsportal daher mindestens zweimal pro Woche.
Tipps
- Bewirb dich parallel auf 3–5 Programme (je ein realistisches, ein Wunsch- und ein Sicherheitsprogramm).
- Führe eine Tabelle mit Spalten: Hochschule, Frist, Mindestnote, fehlende Unterlagen, Status.
- Frag beim Prüfungsamt früh nach einer vorläufigen Notenübersicht – die brauchst du fast immer, bevor das Zeugnis fertig ist.
Häufige Fragen
Brauche ich einen bestimmten Notenschnitt? Kommt aufs Programm an. Viele konsekutive Master verlangen eine Mindestnote (grobe Faustregel: rund 2,5), zulassungsbeschränkte stärker nachgefragte Fächer teils 2,0 oder besser. NC-freie Master haben oft keine Notengrenze. Verbindlich ist die Zulassungsordnung.
Kann ich mich ohne fertigen Bachelor bewerben? Meist ja: mit vorläufiger Notenübersicht und einer Mindestzahl an Credit Points – häufig 150 von 180 CP. Das fehlende Zeugnis reichst du dann bis zu einer gesetzten Nachfrist nach. Die genauen Werte legt die Hochschule fest.
Wann sind die Bewerbungsfristen? Oft 15. Juli fürs Winter- und 15. Januar fürs Sommersemester, vereinzelt aber deutlich früher. Prüfe jede Frist einzeln auf der Studiengangsseite und rechne Vorlaufzeit für Beglaubigungen und Sprachtests dazu.